Arbeit, Freunde, Sport und der Traum von Hawaii

Hallo zusammen,

oft werde ich angesprochen, wie ich die Themen Arbeit, Freunde, Sport und das alltägliche Leben unter einen Hut bekomme. Neben dem Trainingspensum und meinem fordernden Job bleibt ja schließlich keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Muss so sein, oder nicht? Es ist an der Zeit, darüber einen kleinen Blogeintrag zu verfassen.

Es wäre wohl gelogen, wenn ich behaupte, dass der Sport nicht einen wesentlichen Teil in meinem Leben eingenommen hat. Im Winter trainiere ich neben meinem Beruf ungefähr 8-10 Stunden, im Sommer sind es fast doppelt so viele. Allerdings hört sich das schnell mehr an, als es tatsächlich ist. Gerade am Wochenende kommen ruck zuck einige Stunden zusammen und unter der Woche lässt sich eine Stunde Training gut in den Tag einbauen.

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Radausfahrt am Morgen vor der Arbeit – im Sommer kein Problem

Das Wichtige ist in diesem Zusammenhang ganz einfach ein gutes Zeitmanagement und eine gute Planung. Und dazu eine kräftige Prise Disziplin. Morgens vor der Arbeit drei Kilometer zu schwimmen oder sich nach einem langen Arbeitstag noch einmal aufzuraffen um an der Elbe zu Laufen, gelingt auch mir nicht immer. Wenn ich mich dann aber doch überwunden habe, ist es zumeist ein befreiendes und erfüllendes Gefühl. Überhaupt hilft es mir häufig, einen langen und anstrengenden Arbeitstag Revue passieren zu lassen und ich kann den Arbeitstag dann hinter mir lassen und abschließen. So finde ich, dass sich Arbeit und Sport nicht ausschließen. Es ist schlicht und ergreifend eine Willens- und Disziplinfrage, das geplante Training durchzuziehen.

Verringert hat sich seit meinem Einstieg in den Triathlon auch kaum die Zeit, die ich mit Freunden außerhalb des Sports verbringe. Ich denke, dass ich die Balance zwischen Arbeit, Sport und Privatleben ganz gut hinbekomme. Weniger Zeit verbringe ich aber definitiv vor dem Fernseher oder auf dem Sofa. Umso mehr genieße ich es, wenn ich am Wochenende doch mal einfach nur rumgammeln kann.

Dass ich das ganze Thema Triathlon durchaus ambitioniert und mit Ehrgeiz betreibe ist kein Geheimnis. Ich möchte mich weiterhin verbessern und habe noch einige sportliche Ziele, die ich gerne erreichen möchte. An oberster Stelle steht unbestritten die Teilnahme an der Altersklassen-Weltmeisterschaften im Ironman auf Hawaii. Jedes Jahr sehe ich die Bilder und sauge jede Sekunde Berichterstattung auf, mit der Hoffnung, irgendwann selbst am Pier von Kailua Kona zu stehen.

Der Traum von Hawaii

Für einen Startplatz auf Hawaii muss ich mir bei einem Qualifikationsrennen eine gewisse Platzierung sichern. In der Regel muss man dafür unter 60 Minuten Schwimmen, weniger als 5 Stunden Radfahren und den Marathon im Bereich von 3:20 Stunden absolvieren. Die notwendigen Zeiten hängen jedoch mit der Topographie der Strecke und natürlich mit den Wetterbedingen zusammen. Im vergangenen Jahr hätte ich beim Ironman Mallorca schneller sein müssen als 9:22 Stunden um mir einen Platz für Hawaii zu sichern, denn mit dieser Zeit ging der letzte von 5 Plätzen in meiner Alterklasse weg.

Im Vergleich zu einigen Sportlern, mit denen ich mich bei Ironman Rennen um die Startplätze für Hawaii streiten muss, habe ich im wesentlichen zwei Nachteile.

1.) Ich bin voll berufstätig in einer leitenden Funktion und habe grundsätzlich mit meinem Job schon relativ viel zu tun. Viele andere Athleten in meiner Altersklasse sind in Berufen, die eine bessere Zeiteinteilung zulassen. Das bezieht sich zum einen auf den täglichen Ablauf zum anderen aber auch auf die Möglichkeiten für Trainingslager frei zu nehmen. Meine Trainingseinheiten muss ich immer irgendwie in die frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden legen. Da ergeben sich alleine schon in den dunklen Jahreszeiten Herausforderungen! Auch die Zahl der Urlaubstage ist begrenzt und die Möglichkeit, Überstunden tageweise abzufeiern gibt es bei mir nicht. Ich muss also für Trainingslager, Wettkampfreisen und sonstige Urlaube mit den begrenzt vorhandenen Urlaubstagen pro Jahr auskommen.

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Nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis beim Ironman Switzerland 2014

2.) Meine sportliche Vergangenheit ist insbesondere in den 3 Disziplinen und im Hinblick auf strukturiertes Training ziemlich übersichtlich. Ich habe bis zum Alter von 28 Jahren täglich fast eine Schachtel Zigaretten geraucht und nach der einigermaßen sportlichen Jugend während dem Studium fast gänzlich auf Sport verzichtet. Die Prioritäten lagen hier einfach auf anderen Themen. Wenn ich mir dann anschaue, dass andere Triathleten seit ihrer Kindheit im Schwimmbecken aktiv sind oder aus dem Lauf- beziehungsweise Radsport kommen, haben diese eine völlig andere Basis. Meine Knochen, Bänder und Sehnen und auch meine Muskulatur sind Umfänge und Intensitäten, wie sie für eine Topplatzierung nötig sind, einfach nicht gewohnt. Die Schienbeinverletzung, die mich mindestens zwei Jahre beschäftigt hat, ist ein deutliches Zeichen dafür. Mittlerweile habe ich das ganz gut im Griff, es ist jedoch immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Eine zu lange Einheit oder ein zu intensiver Laufblock können wieder monatelange Probleme nach sich ziehen. Ich muss also tierisch aufpassen und die Laufprogramme immer gut mit meinem Trainer Stephan Vuckovic abstimmen und vor allem auf meinen Körper hören.

Auf der anderen Seite gibt es auch viele Atlethen, die ähnliche oder sogar noch schlechtere Voraussetzungen haben als ich. Wenn man zum Beispiel zusätzlich noch Kinder hat oder einen körperlich anstrengenden Job, ist es mit Sicherheit nicht einfacher. Ich werde im Job hauptsächlich geistig gefordert, kann die müden Beine also am Schreibtisch entspannen. Auf eine solch großartige Unterstützung von Freunden und Sponsoren (insbesondere IOS-Technik), kann auch nicht jeder vertrauen. Es gibt also durchaus auch einige sehr positive Aspekte in meinem Triathlonleben!

Gerade deswegen habe ich den Traum, mir irgendwann einen der begehrten Plätze für Hawaii zu schnappen. Beim Schwimmen habe ich mich im letzten Jahr deutlich verbessert, es fehlen aber immer noch einige Minuten auf der 3,8 Kilometer langen Strecke, um auf einem der vorderen Plätze aus dem Wasser zu steigen. Durch meine relativ gute Radleistung kann ich hier unter Umständen auch einige wenige Minuten Rückstand wieder gut machen. Das Problem ist und bleibt der Marathon. Zum Teil wird der mittlerweile in knapp über 3 Stunden gelaufen. Ich denke, dass ich aktuell in der Lage bin, die 42 Kilometer im Ironman in 3:30 Stunden zu absolvieren. Hier muss über den Winter also einiges passieren, immer im Hinterkopf, dass das Schienbein ein limitierender Faktor sein wird.

Der Traum aber, eines Tages den Alii Drive hinab zu laufen und das Ziel der Ironman Weltmeisterschaften zu erreichen, motiviert mich ungemein, den hohen Aufwand für das Training aufzubringen. Außerdem liebe ich diesen Sport einfach! Das treibt mich an, Tag für Tag.

Euer Matthias

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