DNF – die Angst vorm Scheitern

Hallo Leute,

alter Käse, sich über meine beiden Ausstiege beim Ironman Frankfurt 2016 und kurz darauf beim Ironman Mallorca 2016 zu unterhalten? Die beiden einzigen DNF (did not finish) meiner sportlichen Laufbahn im vergangenen Jahr sind zwar schon ein paar Monate her, bei mir aber immer noch sehr präsent. Ich hatte daran zu knabbern, ja verdammt, es hat mich schwer getroffen und ich war frustriert. Was für ein verflixtes Seuchenjahr! Zumindest auf der Langdistanz, bei kürzeren Rennen hat die Form gepasst und die Erfolge waren auch da. Deswegen war es ja doppelt bitter. Warum zweimal hintereinander? Warum ich? Hätte ich weitermachen können? Was denken die Menschen da draußen? Und wieso steigt man aus einem Rennen aus?

Ich hatte zwei ganz konkrete Probleme und bin nach wie vor der Meinung, dass ich alles richtig gemacht habe. Der Lenkerbruch hat eine Weiterfahrt unmöglich gemacht (Ironman Frankfurt) und die Erkältung hat ein Fortsetzen des Rennens ebenfalls nicht erlaubt ohne die Gesundheit zu riskieren (Ironman Mallorca). Wieso steigt man aber sonst aus einem Rennen aus? Ich habe mir viele Gedanken gemacht und mögliche Lösungen für mich entwickelt um den Misserfolg möglichst zu verhindern oder im Zweifel nicht daran zu zerbrechen.

Das richtige Material?
Ich hatte in Frankfurt Pech mit meinem Material. Der Lenker von meinem Basso-Zeitfahrrad ist gebrochen. Zack, einfach ab und ich lag fast auf der Straße. Dass Carbon empfindlicher ist als Aluminium ist kein Geheimnis. Dass Carbon weniger Gewicht auf die Waage bringt auch nicht. Aber muss man wegen ein paar Gramm wirklich dieses Risiko eingehen? Der Lenker von Basso war ein Graus und schon im Training hatte ich einmal einen Bruch damit. Da hätte ich direkt reagieren müssen, leider habe ich es nicht getan. In Frankfurt war der Ausstieg nicht mehr zu verhindern, aber ich hätte besser vorbereitet sein können. Deswegen stellt Euch immer die Frage, ob es wirklich das leichteste und aerodynamischste Teil sein muss. Manchmal lohnt es sich auf stabiles Material zu setzen und probiert vor allen Dingen im Wettkampf kein neues Material aus. Ich habe das große Glück, mittlerweile auf einem anderen Rad zu sitzen. Nicht unbedingt das leichteste aber ein sehr stabiles und zuverlässig Shiv von Specilialized. Da mache ich mir keine Sorgen um die Stabilität des Materials.

Zu viel Druck?
Aber nicht nur das Material muss am Tag X passen. Auch die Birne, der Kopf, dort wo sich meiner Meinung nach mindestens 50% des Rennens entscheidet. Zumindest bei den längeren Rennen. Das gesamte Jahr wird bei vielen, ehrlicherweise auch bei mir,  akribisch geplant: Winterlaufserie für die Laufform, Radtrainingslager im Frühjahr, Schwimmtraining immer Montags, Mittwochs und Samstags. Da wird der Rest des privaten Lebens gerne drum herum geplant. Zumeist mit dem Ziel, bei einem bestimmten Wettkampf die bestmögliche Form zu haben, um eine persönliche Bestzeit zu erzielen oder sich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft zu schnappen. Kommt dann der große Tag, muss man natürlich sich selbst und allen Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen zeigen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Die große Sorge sind die oben genannten drei Buchstaben: DNF – did not finish! Versagt, blamiert und alles umsonst! Zack – willkommen in der brutalen Realität. Die Angst davor erzeugt bei vielen so viel Druck dass man sich kaum vor einer mentalen Blockade retten kann. Und schon rückt das Ziel in noch weitere Ferne. Ein Teufelskreis. Genießt also das Rennen wofür ihr so lange gearbeitet habt. Niemand hat Euch weniger lieb, wenn es mal nicht klappt. Diese Erfahrung habe zumindest ich im letzten Jahr gemacht.

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Ernüchterung nach dem Schwimmen – kein Grund das Rennen aufzugeben!

Probleme einkalkulieren!
Ich habe bisher kaum ein Rennen ohne kleine oder größere Probleme hinter mich gebracht. Immer gab es irgendwelche Themen. Entweder hatte ich mit der Ernährung zu kämpfen, Krämpfe  Blasen, Scheuerstellen oder einfach mentale Schwierigkeiten bekommen. Die Frage „Warum mach ich das eigentlich“ habe ich bestimmt durchschnittlich 38 Mal pro Rennen beantwortet. Weil es Spaß macht, weil ich den Sport liebe und ich es wohl offensichtlich liebe, genau diese Frage 38 Mal im Rennen zu beantworten. Ich habe gelernt, dass es immer wieder Tiefs gibt in einem Rennen. Das muss man einfach einkalkulieren und damit rechnen. Natürlich kann man nicht alle Eventualitäten planen, aber mit einigen Dingen kann man sich im Vorfeld durchaus beschäftigen und viel besser damit umgehen, wenn sie dann eintreffen! „Hallo Magenkrampf, mit dir habe ich schon viel früher gerechnet. Schön, dass du da bist, du kannst wieder gehen!“ Keine Panik, ganz in Ruhe. In Klagenfurt konnte ich die ersten Kilometer kaum laufen vor Schmerzen, am Ende springt ein Marathon in 3:33 Stunden raus. Tiefs kommen und gehen. Ich lasse sie geschehen und kämpfe nicht verbissen dagegen an. Das verschwendet nur Energie, die ich an anderer Stelle besser gebrauchen kann. Und die Flinte deswegen ins Korn zu werfen muss erst recht nicht sein.

Realistische Ziele /mehrere Ziele setzen
Ernüchterung tritt bei mir oftmals nach dem Schwimmen auf. Rumms, Platz 65 von 80 in der Regionalliga. Natürlich bin ich dann erstmal enttäuscht aber auf der anderen Seite ist einfach in der aktuellen Situation nicht mehr drin. Sein Ziel an einer Platzierung auszurichten ist auch immer eine schwierige Sache. Bin ich mit einer eigenen schlechten Leistung zufriedener, wenn die anderen noch schlechter waren? Oder bin ich mit einer überragenden Leistung zufrieden, obwohl es noch bessere Leute gibt? Deswegen versuche ich meine Rennen immer in Abschnitten zu planen unabhängig von der Platzierung. Schwimmzeit, Radzeit (vielleicht auch aufgeteilt in mehrere Abschnitte z.B: 1. Runde, 2. Runde), Laufzeit (auch hier mehrere kleine Ziele). Auch für die Gesamtzeit habe ich immer mehrere Ziele im Kopf. Muss-Zeit, Wunsch-Zeit, Traum-Zeit. Klappt irgendetwas nicht, konzentriere ich mich auf das nächste Ziel. Abgerechnet wird am Ende! Also nicht gleich aufgeben und aussteigen, nur wenn ein Zwischenziel mal nicht funktionert. Es gibt ja noch weitere Ziele, die man im Rennen auch mal im Kopf anpassen muss. Aber deswegen gleich aussteigen?

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Bonn 2015: Begeisterung sieht anders aus. Im Nachhinein trotzdem froh, dass ich es durchgezogen habe.

Mehrere Höhepunkte planen!
Nochmal ein Thema, das mit dem eigenen Druck zu tun hat. Plant man seine ganze Saison nur auf einen einzigen Höhepunkt hin, wird der Druck natürlich immens groß, an diesem Tag die Leistung abrufen zu müssen. Warum also nicht einfach neben dem eigentlichen Höhepunkt weitere Ziele stecken? Ich habe immer mehrere Rennen oder auch Trainingseinheiten im Kopf als Ziel formuliert. Nicht nur als Mittel zum Zweck für den einen großen Wettkampf. Allerdings sollten es auch nicht zu viele Rennen sein. Ich hatte 2015 innerhalb von zwei Wochen zwei Mitteldistanzen und bin in Bonn beim Laufen völlig hoch gegangen. Minutenlang habe während des Laufens auf einer Parkbank gesessen und wollte nicht mehr weiter machen. Am Ende habe ich es ins Ziel geschafft und war sehr zufrieden damit, weil ich mich durchgbissen hatte.

Hinfallen, Krone richten, weitermachen!
„Der Mensch lernt nur durch Schmerzen.“ An dem Spruch ist leider irgendwie was dran. Es gehört dazu, Misserfolg zu haben. Es gehört dazu, auch mal zu scheitern. Es ist überhaupt nichts Schlimmes dabei, solange man versucht, aus den Fehlern, die man eventuell gemacht hat zu lernen. Ich habe alle Rennen im Nachhinein analysiert. Manchmal mit Freunden, manchmal mit Kollegen, manchmal auch ganz alleine für mich. Das soll nicht heißen, dass ich nicht in der Zukunft vielleicht mal wieder vor der Situation stehe, dass ich ein Rennen aufgeben muss. Aber ich habe aus meinen Fehlern gelernt und hoffe, dass ich diese Fehler nicht ein zweites Mal mache.
Man muss außerdem auch eine gewisse Gelassenheit entwickeln. In sich hinein horchen, ja, aber auch nicht immer überinterpretieren und sich verrückt machen. Irgendwas zwickt sowieso immer.

Die meisten von uns machen den Sport hoffentlich immer noch deswegen, weil sie den Sport lieben. Weil Sie sich gerne bewegen und Spaß dabei haben. Ich möchte mich nicht kasteien nur um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ich trinke kaum noch Alkohol. Nicht weil ich glaube, damit schneller zu werden. Nein verdammt nochmal, schlicht und ergreifend deswegen, weil ich mich damit einfach besser fühle. Ich mache alles was ich tue mit Begeisterung. Kürzlich habe ich erzählt, dass ich meinen Trainingsplan (beim Radeln und Laufen) beinahe zu 100% erfülle. Ich würde das nicht tun, wenn ich nicht Lust darauf hätte. Ich muss mich selten quälen die Laufschuhe anzuziehen oder mich aufs Rennrad zu schwingen. Und wenn doch, dann stelle ich nach wenigen Minuten fest, dass ich genau das Richtige getan habe. Natürlich höre ich auch in mich hinein und gönne meinem Körper und meinem Geist die nötige Ruhe. Das gehört auch dazu. Aber am Ende muss ich lieben was ich tue, nur dann mach ich es richtig! Ich persönlich finde  hoffentlich bald die Liebe zum Schwimmen und Ihr Euren ganz persönlichen Weg, die eigenen Ziele zu erreichen!

Liebe Grüße
Euer Matthias

 

 

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