Ironman 70.3 Luxembourg

Hallo Leute,

lange habe ich hin- und herüberlegt, ob es Sinn macht die Reise nach Remich an der Mosel zum Ironman 70.3 Luxembourg anzutreten. Während ich beim Schwimmen und Radfahren in den letzten Monaten eine vernünftige Form aufbauen konnte, blieb mir das beim Laufen durch die langwierige Fußverletzung aus der letzten Saison leider verwehrt. Trotzdem hatte ich das Rennen vor vielen Monaten gebucht und warum eigentlich keinen Ausflug in diese wunderschöne Gegend machen und zumindest die ersten beiden Disziplinen ernsthaft testen. Das Laufen sollte dann einfach nur ein Versuch sein, den Fuß ohne Schmerzen über eine längere Zeit zu belasten. Dementsprechend wollte ich das Schwimmen und Rad fahren im normalen Tempo durchziehen und hinten raus einen lockeren langen Lauf machen.

1,9 Kilometer Schwimmen 
Im Rolling Start geht es um 9.15 für die schnellsten Athleten los. Ich sortiere mich in der Gruppe ein, die zwischen  25 und 30  Minuten schwimmen möchte. Meine bisherige Bestzeit liegt bei knapp über 30 Minuten, da muss nach dem vielen Training doch hoffentlich eine Zeit unter 30 Minuten drin sein. Leider verliere ich direkt nach dem Sprung ins Wasser den Anschluss an eine kleine Gruppe. Ich versuche die Lücke von ca. 5 Metern zuzuschwimmen, aber es klappt nicht. Keine Chance. Also schwimme ich den Weg zu ersten Wendeboje komplett alleine. Auf dem Rückweg habe ich dann zumindest zeitweise Begleitung und kann im Wasserschatten eines Athleten mitschwimmen. Nach 25 Minuten steige ich aus der Mosel. Deutlich schneller als erwartet, es ist mir aber schon direkt jetzt klar, dass die Strecke zu kurz gewesen sein muss. 25 Minuten über 1,9 Kilometer entspricht ganz schlicht und ergreifend nicht meinem Leistungsvermögen. Im Nachhinein bestätigt sich das auch. Knapp 1.700 Meter werden diskutiert. Trotzdem bin ich super happy mit der Schwimmzeit, insbesondere wenn man sich die Zahlen im Vergleich anschaut. Nur rund zwei Minuten nach dem Alterklassenweltmeister und späteren AK-Sieger Christian Haupt beende ich die erste Disziplin. Das Schwimmtraining mit meinem Trainer Mario Schmidt-Wendling von sisu-training zahlt sich hier komplett aus. Da muss ich jetzt dran bleiben. Weiter gehts!

Lange musste das Shiv diesmal nicht auf mich warten!

90 Kilometer Radfahren
Leicht beflügelt von der ersten Disziplin schwinge ich mich auf mein Triathlonrad. Leider funktioniert mein Garmin mal wieder nicht und ich bekomme keine Watt-Werte angezeigt. Das Problem hatte ich schon in der Türkei vergangenes Jahr. Auch das Beenden des Multisport-Modus hilft nichts. Ich versuche noch zweimal das Ding neu zu starten. Vergeblich. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich? Hat jemand ähnliche Probleme und kann helfen?

Zurück zum Rennen, es geht die ersten 36 Kilometer komplett flach an der Mosel entlang. Eigentlich gut, um einen Rhythmus zu finden aber ein schweizer Athlet macht die komplette Dynamik kaputt. Immer wieder überholt er mich, fädelt dann direkt vor meiner Nase ein und nimmt dann die Beine hoch. Also muss ich auch wieder Druck raus nehmen, den Abstand von 12 Metern wieder herstellen während etliche Leute an mir vorbei ziehen und ich erst nach einigen Minuten selbst wieder überholen kann. Die Folge: Ein völlig unrhythmisches erstes Teilstück, das mich viel Nerven, Kraft und Zeit kostet. Abgesehen davon bildet sich kurz vor dem Anstieg tatsächlich eine sehr große Gruppe, sauberes Fahren ist für die letzten drei bis vier Kilometer an der Mosel kaum möglich. Im hinteren Teil des Rennens ist es noch deutlich krasser. Riesen Gruppen kommen uns nach dem Wendepunkt entgegen. Die Veranstalter in Luxembourg sollten sich hier definitiv Gedanken machen. Der Rolling-Start verhindert auf jeden Fall nicht, dass sich RTF-ähnliche Szenen abspielen.

Für mich geht es jetzt in den ersten Anstieg und ich muss feststellen, dass ich meine Radbeine wohl in Hamburg vergessen habe. Alles fühlt sich ab hier zäh und hart an. Ich komme überhaupt nicht in den Tritt und muss die ganze Zeit um Anschluss kämpfen. Dafür ist das Rennen ab hier absolut sauber und Windschatten kein Thema mehr. Bei Kilometer 60 muss ich dann kurz anhalten, irgendwas schleift an meinem Scheibenrad. Kurz ausgebaut und wieder eingebaut um dann festzustellen, dass sich der Aufkleber zur Abdeckung des Ventillochs gelöst hatte. Richtig viel Zeit kostet mich die Aktion nicht, trotzdem eine nervige und vermeidbare Aktion.

In den zum Teil echt schnellen Abfahrten (mein Top Speed lag bei 78 km/h)sehe ich zahlreiche Athleten im Graben, in Absperrungen oder vor Häuserwänden liegen. Bei zwei Stürzen bin ich live dabei. Eventuell vermeidbar da Till Schenk auf alle Gefahrenstellen explizit im Race-Briefing hingewiesen hat und die engen Kurven gut und deutlich angezeigt sind. Vielen Dank Till, da sieht man wieder, was es bringt, wenn man die Strecke am Tag vor dem Rennen selbst abgefahren ist.  Viele halten das Race-Briefing für überflüssig, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich immer noch einige Kleinigkeiten mitnehmen kann, die mir im Rennverlauf helfen. Also Leute, geht da hin auch wenn für erfahrene Triathleten zugegebenermaßen ein großer Teil alter und langweiliger Käse ist. Sicher vor einem Sturz kann das Briefing natürlich nicht helfen, es ist nunmal immer noch ein Rennen! Mir hat es in diesem Fall echt viel gebracht. 

Nach 2:24 Stunden un mit einem Schnitt von rund 38 Kilometern pro Stunde stelle ich mein Rad in der Wechselzone ab. Bemerkenswert finde ich, dass ich nach dem Schwimmen auf Platz 23 gelegen habe und mich trotz guter Radzeit lediglich um einen Platz verbessern konnte. Liegt es daran, dass tendenziell sehr starke Radfahrer am Start sind? Oder mache ich kaum Plätze gut, weil ich einfach früher aus dem Wasser komme? Jedenfalls fühlt es sich die zweite Disziplin heute nicht so richtig gut aber auch nicht ganz schlecht an. Da werden wir sicher nochmal intensiv sprechen und analysieren. Wattwerte wären hier super hilfreich gewesen. Ärgerlich, dass die Technik versagt hat.

Da ist noch nicht viel zu holen. Der Halbmarathon zieht sich!

21,1 Kilometer Laufen
Eigentlich könnte ich an dieser Stelle aufhören zu erzählen. Mein „Rennen“ ist, wie geplant, in T2 zu Ende. Also ziehe ich mir die Laufschuhe an und jogge gemütlich los. Nicht schneller als 5 Minuten pro Kilometer möchte ich Laufen. Der Halbmarathon soll nur ein Test sein, ob der Fuß in irgendeiner Form Theater macht oder schön friedlich bleibt. Nach rund 6 Monaten ohne Lauftraining kann die Form für einen schnellen Halbmarathon halt auch einfach nicht da sein. Deswegen haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen lediglich einen langen Trainingslauf daraus zu machen.

Es geht ganz passabel los und ich kann die geplante Geschwindigkeit auch gut und locker laufen. Ab Kilometer 14 wird es dann aber immer schwerer und ich merke, dass die Laufform noch schlechter ist als ich gedacht hatte. Natürlich spielt auch der Kopf in einem solchen Moment eine große Rolle. Ich hatte den Lauf nicht mehr als Wettkampf abgespeichert und dann wird es eben hart in schwierigen Momenten mental dabei zu bleiben. Warum nicht an der Verpflegungsstelle gehen, kurz stehen bleiben und mit den Leuten Spaß haben. 1:45-2:00 Stunden hatte ich mir vorgenommen, am Ende werden es 1:57 Stunden. Die beste Nachricht lautet aber: Der Fuß hält und wir werden jetzt langsam und vorsichtig wieder an der Laufform arbeiten. Ob es am Ende für den Ironman in Hamburg reicht, wird sich zeigen. Ich befürchte dass es eine ganz schön knappe Kiste wird. Riskieren werde ich aber definitiv nichts.

Fazit:
Ein toller Wettkampf mit einer Schwimmstrecke, die deutlich  zu kurz ist und einer Radstrecke, die ich nicht ganz einfach finde. Die Laufstrecke ist zuschauerfreundlich und schnell, aber einigermaßen langweilig für die Athleten, da es einfach nur vier Mal hin und zurück geht. Die Gegend ist ein Träumchen, beim nächsten Mal nehme ich mir ein paar Tage mehr Zeit und genieße Landschaft, Gegend und Wein. Ich kann den Wettkampf wirklich weiter empfehlen und hoffe, dass es für die ersten Kilometer auf der Radstrecke eine Lösung seitens Veranstalter gibt. Wenn es passt, komme ich in den nächsten Jahren gerne wieder.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch an Lenny, die mit einem großartigen Rennen einen fantastischen 2. Platz in Ihrer Altersklasse belegen konnte. Glückwunsch auch an die anderen Athleten von sisu-training. In der Teamwertung der Division 3 hat das mal wieder für den ersten Platz gereicht.

Die nächsten Tage lege ich die Beine hoch und erhole mich vom Rennen, bevor es mit dem Training weitergeht. Bei dem herrlichen Wetter freue ich mich schon wieder sehr auf die Ausfahrten und Läufe an der Elbe. Daumen drücken, dass der Fuß weiterhin hält!

Bis bald
Euer Matthias

 

 

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