Ironman European Championship Frankfurt

Hallo Leute,

hier bin ich also wieder. Auf einer anderen Plattform, immer noch der Gleiche! Deswegen gibt es meinen Rennbericht, wie nach Mallorca, mit etwas Abstand ein paar Tage nach dem Rennen. Ich wollte die Erlebnisse rund um das Wochenende erst einmal in Ruhe verarbeiten.

Die Anreise nach Frankfurt war ursprünglich für Freitag geplant, kurzfristig habe ich mir dann aber doch noch zusätzlich den Donnerstag frei genommen. Die bevorstehende Hitze und die Erfahrungen aus der Anreise ins Kraichgau zum Ironman 70.3 vier Wochen vorher sind die Hauptgründe für eine zusätzliche Nacht in der Mainmetropole. So geht es am Donnerstag Abend bei halbwegs angenehmen Temperaturen im Auto los und am Freitag kann ich ausschlafen und den Tag völlig entspannt angehen. Gemütlich frühstücken, Startunterlagen abholen, über die Messe schlendern und um 14 Uhr dem Race Briefing auf dem Römer beiwohnen. Junge, was ist das für eine Hitze in diesem Kessel. Völliger Wahnsinn bei Temperaturen über 40 Grad. Darüber habe ich mir in den vergangenen Tagen im Übrigen noch sehr viele Gedanken gemacht. Die werde ich in den nächsten Tagen hier niederschreiben. Erstmal möchte ich Euch von meinem Rennen berichten. Ich verkrieche mich also bei abartiger Hitze unter die Tribüne und höre mir die mehr oder weniger spannenden Informationen an, bevor es zurück ins Hotel geht. Ein klimatisiertes Zimmer ist dann eben doch viel wert!

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Check-In am Samstag vor dem Rennen

Der Tag vor dem Rennen ist und bleibt ein Erlebnis. Dieses Mal gibt es noch ein paar Besonderheiten. Mittags treffe ich mich mit Karin von IOS-Technik, die extra für das Rennen einen Fotografen engagiert hat. Ich fühle mich ehrlich gesagt etwas komisch, als wir die Spots für gute Fotos während des Rennens besprechen und die spanischen Jungs am Tisch nebenan schon tuscheln und neugierig zu uns rüber schauen. Zusätzlich zu den Fotos während des Rennens wollen wir noch ein paar Aufnahmen machen. So geht es kurz auf die Laufstrecke und wir schießen einige Bilder vor der Frankfurter Skyline. Hätte ich gewusst, dass ich am Renntag hier nicht mehr laufen werde, ich hätte noch viel mehr Fotos machen lassen. Anschließend geht es dann direkt zum Check-in an den Langener Waldsee.

Wir versuchen jedenfalls zum Langener Waldsee zu kommen, was sich schwieriger gestaltet als ich gedacht hätte. Schon zwei Kilometer vorher geht quasi nichts mehr. Alles ist vollgeparkt, überall stehen Autos. Kreuz und quer, mitten in der Abfahrt der Autobahn. Gefühlt sind alle Frankfurter zum See gefahren, allerdings nicht um die verrückten Triathleten zu beobachten, sondern um sich selbst an den Strand zu legen und sich im See abzukühlen. Dort wird mittlerweile eine Wassertemperatur von knapp 27 Grad gemessen, mit einem Neoverbot hatte ich mich schon seit einigen Tagen angefreundet. Für mich als „Nichtschwimmer“ eine Katastrophe, im Gegensatz zu Mallorca gibt es in Hessen leider kein Salzwasser, das zusätzlichen Auftrieb verleiht. Auf der anderen Seite will bei 27 Grad Wassertemperatur beim besten Willen niemand mehr mit Neo schwimmen. Nichtmal ich!

Der Fotograf, Martin, begleitet mich in die Wechselzone und nachdem wir noch kurz am See waren und unter anderem auch Schwimmbilder gemacht haben, geht es direkt zurück in die City. Um 18.30 Uhr treffe ich dann zahlreiche, extra für mich angereiste, Supporter. Tine und Jule, Betti, Jenny und Walter, Matthias und Theresa, Marcel und Nina, Martin, Karin und Angela. Es gibt Pasta für alle und dank IOS gibt es für jeden ein Supporter-Paket mit einem Fan-Shirt, und einigen Kleinigkeiten um den morgigen Tag zu überstehen. Leider muss ich die gemütliche Runde schon wieder früh verlassen, wenigstens ein bisschen Schlaf will ich bekommen bis der Wecker um 3 Uhr klingelt!

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Die Ruhe vor dem Sturm am Langener Waldsee

Der Morgen:
Am Rennmorgen geht es mit dem Shuttle vom Hotel zum See. Um möglichst entspannt alles vorzubereiten nehme ich einen der allerersten Busse. Das klappt auch hervorragend und schon kurz nach Öffnung der Wechselzone sortiere ich ganz in Ruhe meine Sachen und kümmere mich um mein Rad. Flaschen auffüllen, bei diesem Wetter ganz besonders wichtig, Reifen aufpumpen und anschließend noch schnell den Wechselbeutel fertig packen und aufhängen. Schon früh bin ich komplett fertig und kann mich dem Trubel in der Wechselzone entziehen. Ich habe mich im Übrigen dazu entschlossen meine Getränke noch zusätzlich mit etwas Salz anzureichern um den hohen Verlust an Mineralien durch Schwitzen an diesem Tag möglichst auszugleichen. Außerdem habe ich noch Salztabletten eingepackt, ich möchte einfach kein Risiko eingehen. Im Vorfeld wurde von allen Seiten deutlich vor den Temperaturen und den Folgen von hohem Salzverlust gewarnt. Anschließend setze ich mich in einen bequemen Stuhl in den Sand und genieße die letzten ruhigen Momente, bevor ich mich dann pünktlich in meinem Vorstartbereich einfinde. Die Profi-Männer werden auf die Reise geschickt, anschließend die Profi-Damen und nur wenige Minuten später geht die erste Gruppe mit Agegroupern auf die Reise. Mittendrin: Ich!

Schwimmen:
Wie immer versuche ich mich aus dem üblichen und nervigen Geprügel herauszuhalten. Glücklicherweise wurde ich in die erste Startgruppe gesteckt, es sind also nur rund 300 Leute und nicht 2.500 Triathleten die gleichzeitig in den Langener Waldsee stürmen. Ich halte mich relativ weit rechts, stehe in der dritten Reihe und mit dem Startschuss um 6:50 Uhr geht für mich das Rennen los. Bei 27 Grad Wassertemperatur mal wieder ohne Neoprenanzug, nach Mallorca zum zweiten Mal, versuche ich erst recht Gas zu geben. Ich finde schnell einen Rhytmus und ich habe tatsächlich so etwas wie Spaß beim Schwimmen. Unfassbar. Rum um die erste Wendeboje und zurück zum Ufer. Landgang nach 1.500 Metern, kurzer Blick auf die Uhr und mein Gefühl bestätigt sich, dass ich gut unterwegs bin. Auf der zweiten Runde wird es dann aber doch irgendwie zäh. Auf einmal entdecke ich die ersten blauen Badekappen, Sportler aus der zweiten Gruppe, die rund 10 Minuten nach mir los sind. Die ziehen scheinbar mühelos an uns vorbei und ich fühle mich auf einmal total langsam. Schlechte Wasserlage, dicke Arme, Krampf im Fuß – es kommt alles zusammen. Das erste Tief des Tages ist also schon beim Schwimmen da. Mist. Wille ist alles steht auf meinem Bändchen und ich kämpfe mich weiter. Zug um Zug. Meter um Meter. Immer mehr blaue Kappen um mich herum und das Gefühl ist echt blöd! Irgendwann ist das Ufer dann doch in Sicht, der ersehnte Zielbogen. Ich schiele auf die Uhr und rechne mit einer Schwimmzeit von 1:20 Stunden. Mindestens. Beim Ausstieg dann wieder der Blick auf die Uhr und mein Herz hüpft vor Freude fast aus der Brust. Vielleicht liegt es auch an dem langen Anstieg durch den Sand zur Wechselzone? Oder an den persönlichen Fans die links und rechts im Sand stehen? Egal. Mit einer Zeit von 1:09 bleibe ich unter meiner Erwartung und ich bin total Happy. Im letzten Jahr bin ich mit Neo deutlich langsamer geschwommen. Also ab aufs Rad!

Radfahren:

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Teuflische Begleitung beim Anstieg in Maintal (The Hell).

Schon in der Wechselzone überhole ich zahlreiche Athleten. Ich schnappe mir nur schnell meinen Beutel, Schwimmanzug rein und renne dann direkt zu meinem Rad. Helm auf, Startnummer rum und los geht es. Die ersten Kilometer nach Frankfurt rein sind flach und schnell. Mit knapp 40 Kilometer pro Stunde geht es Richtung City. Schon jetzt hat es fast 30 Grad und es soll im Verlauf des Tages noch viel wärmer werden. Das Motto auf dem Rad lautet also neben drücken, drücken und drücken vor allem kühlen, trinken, kühlen, trinken! Es scheint mein Tag zu sein, es läuft wirklich alles perfekt. Die Beine fühlen sich toll an, ich bekomme an jeder Verpflegungsstelle alles was ich benötige und bei der ersten Durchfahrt in Maintal beglückwünscht mich der Moderator zum Geburtstag. Karin von IOS-Technik steht am Berg, Martin Miseré wartet mit seiner Kamera weiter oben. Ich hab richtig gute Laune und freue mich schon auf die zweite Durchfahrt.

Völlig beflügelt nehme ich dann im Anschluss die nächsten Kilometer in Angriff. Hühnerberg, Teufelseck und schon bin ich in Friedberg, dem nördlichsten Punkt der Strecke. Jetzt freue ich mich schon auf den Heartbreak Hill. Im Vergleich zu Zürich eher ein Hügelchen als ein ernstzunehmender Anstieg. Oben steht dann Mathias, der früh morgens aus Hamburg angereist ist. Er läuft ein paar Meter mit und ich weiß gar nicht wie ich ihm meine gute Laune mitteilen kann. Ich sag ihm, dass ich super unterwegs bin, gefühlt viel zu schnell. Zu diesem Zeitpunkt sagt mein Garmin einen Schnitt von über 37 Kilometer pro Stunde an. Er meint nur, ich soll Spaß haben, was an diesem Tag bisher überhaupt kein Problem ist. Also weiter Richtung Frankfurt City und ab auf die zweite Runde.

Ungefähr zwei Kilometer später, noch mitten in Frankfurt bin ich mit wieder mit gut 40 km/h unterwegs und auf einmal passiert etwas Unglaubliches. Ein kleine Bodenwelle oder ein Schlagloch, genau kann ich es gar nicht sagen, und der linke Aerobar an meinem Lenker bricht komplett durch. Ohne Vorwarnung ohne Ankündigung, einfach knack und ab. In diesem Moment verliere ich völlig das Gleichgewicht, denn der linke Arm sackt ab. Riesen Schlenker Richtung Fahrbahnmitte den ich mit viel Glück und Geschick auffangen kann und einen Sturz verhindern kann. Nicht vorzustellen was passiert, wenn in diesem Moment ein anderer Athlet neben mir fährt oder ich auf die Gegenfahrbahn gerate und dort frontal mit einem Auto zusammenpralle. Fakt ist aber, dass mein Rennen in diesm Moment vorbei ist. Es sind noch rund 80 Kilometer zu fahren, das mache ich nicht auf dem Oberlenker. Eine ambitionierte Zeit ist damit nicht mehr möglich. Ich weiß erstmal gar nicht wohin mit mir. Ich bin wütend, enttäuscht, sauer und traurig. Aus der Isoflasche nehme ich noch einen Schluck, dann werfe ich sie einfach mit voller Wucht auf den Boden. Die zerplatzt in diesem Moment genauso wie der Traum vom Finish auf dem Römerberg.

Der freundliche Polizist, der genau an der Stelle die Strecke absichert, gibt mir sein Handy damit ich die anderen informieren kann, dass es mir gut geht, ich aber aus dem Rennen bin. War wohl auch höchste Zeit, denn der ein oder andere hat sich schon gewundert, warum es keine neuen Splitzeiten gibt.

Fazit:
Gerne hätte ich das Rennen zu Ende gebracht. Trotz Hitze oder gerade deswegen. Ich war gut vorbereitet und ich wollte unbedingt meinen Zieleinlauf mit den zahlreich angereisten Supportern feiern und anschließend noch ein oder zwei Geburtstagsbierchen trinken. Der Zieleinlauf mir leider an diesem Tag nicht gegönnt. Für irgendwas ist es wohl gut, auch wenn es insbesondere kurz nach dem Rennen sehr schwer fällt, etwas Positives aus dem Missgeschick zu ziehen. Am Ende das Tages ist es aber nicht zu ändern und die realtiv gute Form wird genutzt, um einen weiteren Angriff auf den Ironman Mallorca Ende September zu wagen. Wie hat schon Mathias Müller bei der Reportage im TV 2008 gesagt: Am Ende wird alles gut und ist es nicht gut, dann ist es nicht das Ende!

In diesem Sinne, passt auf Euch auf.
Euer Matthias