Mitteldistanz Köln – Cologne 226half

Hallo Leute,

ein letzter Formtest vor dem Ironman Mallorca stand am vergangenen Wochenende in der Domstadt am Rhein auf dem Programm. Bisher kannte ich das Rennen nur als Zuschauer, bei der Suche nach einer Mitteldistanz als Vorbereitungsrennen für Mallorca bin ich dann wieder auf das Rennen in Köln gestoßen. Zugegebenermaßen muss man sich erst einmal durch das Programm wühlen. Während cologne olympic noch halbwegs sprechend ist für die Olymische Distanz wird es bei anderen Formaten abenteuerlich. Cologne226, Cologne226half, CologneSmart, Cologne Hawaii-Special und so weiter und so fort. Am Ende konnte ich dann doch die richtige Anmeldung für 1,9 km Schwimmen, 90 Kilometer Rad und 21 km Laufen finden.

Musste etwas länger warten - danach gab es einen heißen Ritt: Mein S-Works Venge

Musste etwas länger warten – danach gab es einen heißen Ritt: Mein S-Works Venge

Die Woche vor dem Rennen verläuft katastrophal. Acht Tage vor dem Rennen zerschießt es mir beim Schwimmtraining völlig den Nacken. Ich kann am Wochenende davor meinen Kopf kaum bewegen. Massagen und Physiotherapie bei Daniela, der Physiotherapeutin meines Vertrauens, bringen mich aber zurück. Danke an dieser Stelle mal wieder nach Bremen! Ohne die professionelle Hilfe wäre ein Start sicherlich gar nicht möglich gewesen. Dass ich fast schmerzfrei am Start stehen kann, ist für mich ein tolles Ding und so will ich das Rennen einfach genießen.

Los geht es am Sonntag dann um 12.40 Uhr, ein ungewöhnlich später Start, der den gewohnten Rhythmus ganz schön durcheinander wirft. Ausschlafen, Frühstücken und viel Zeit vor dem Start bin ich gar nicht gewohnt vor einem Triathlon. Extrem früh bin ich am See und sehr pünktlich ist das Rad eingecheckt. Kein Zeitfahrrad sondern das umgebaute Venge, das ich auch auf Mallorca fahren werde. Ich liebe dieses Rad, fühle mich pudelwohl damit und bin mir sicher, dass ich keinen Nachteil gegenüber den Zeitfahrmaschinen haben werde. Viel wichtiger ist mir das Vertrauen in das Material, nach dem Lenkerbruch von Frankfurt war dieses Vertrauen in mein Zeitfahrrad einfach nicht mehr da. Und spätestens wenn ich mich auf Mallorca in die Abfahrt vom Kloster Lluc stürze, brauche ich genau dieses Vertrauen.

Leider geht das Schwimmen nicht ganz so gut, wie ich mir das erhofft hatte. Ich hatte mir eine Zeit unter 30 Minuten ausgerechnet, es sind dann sogar über 31 Minuten, also langsamer als im Kraichgau. Erklären kann ich mir das überhaupt nicht auf dieser einfachen Strecke. Irgendwie habe ich mich wohl von einer Gruppe etwas einlullen lassen. Ich bin mir sicher, dass ich das besser kann, zeigen kann ich es an diesem Tag leider nicht und so steige ich auf Platz 90 aus dem Wasser. Nicht ganz zufrieden aber etwas Enttäuschung und Wut schaden beim Radfahren sicher nicht! Im Übrigen schadet dieses Gefühl wohl auch nicht beim Wechseln. Neo aus, Helm auf und schon schiebe ich mein Rad Richtung Ausgang. 30 (!!), in Worten dreißig, Plätze mache ich alleine hier gut! Wechseln gehört eben doch als 4. Disziplin zum Triathlon und anscheinend beherrsche ich diese Disziplin.

Jetzt heißt es die 90 Kilometer so schnell wie möglich zu absolvieren und ich hätte mich besser im Vorfeld mit der Strecke beschäftigen sollen. Ich weiß, dass ich zwei Runden fahren muss, mehr nicht. Auf dem Weg vom Fühlinger See in die Innenstadt von Köln überhole ich zahlreiche Athleten. Ich fliege förmlich an den anderen Sportlern vorbei und so übersehe ich auch Valentin, der in der Startgruppe vor mir auf die Strecke ging. Ich höre aber noch seinen Ruf und nehme kurz raus, er kommt wieder an mir vorbei und ich wünsche ihm noch viel Erfolg und wie beim München Triathlon bekommt er beim Überholen den versprochenen Klaps auf den Hintern. Ein großer Spaß! Danach geht der Ritt durch das Feld vor mir weiter und erst langsam wird es übersichtlicher. Den Wendepunkt in der Stadt passiere ich zum ersten Mal und anschließend geht es wieder zurück Richtung Fühlinger See. Dann kommt der zweite Wendepunkt für die Mitteldistanz und ich bin auf einmal völlig irritiert. Muss ich hier umdrehen? Weiter fahren? Ein Indiz wäre gewesen, dass alle Anderen weiter fahren und ich gerade mal ungefähr 20 Kilometer auf dem Tacho habe, aber zurechnungsfähig bin ich in diesem Moment wohl nicht. Also werfe ich den Anker, die Carbonflanke quietscht und ich drehe um, rum um den Wendepunkt und kurz vor der Zeitmessmatte bleibe ich fragend stehen weil die Streckenposten mich aufhalten. Zum Glück halten mich die fleißigen Helfer davon ab, zurück Richtung Köln zu fahren und ich nehme fluchend und schimpfend wieder die Fahrt in die entgegengesetzte Richtung auf.

Köln

Tolles Raderlebnis – das gibt Selbstvertrauen für Mallorca

Dass ich im weiteren Verlauf selbst einige Staffelradfahrer einholen und überholen kann macht mir dann ab Kilometer 50 wieder Mut. Der Wind ist zu diesem Zeitpunkt die absolute Hölle und drückt mit aller Macht von vorne. Ich liebe es, wenn die Beine brennen und alle gegen den Wind schimpfen. Ich hab irgendwann meinen Frieden damit gemacht und komme mental mit Gegenwind super klar. Wie heftig der Wind tatsächlich ist, merke ich dann erneut auf dem Rückweg Richtung City. Ich schalte einen Gang nach dem nächsten und auf einmal passiert nichts mehr! Schaltung kaputt? Hängt der Gang? Nein, ich bin schlicht und ergreifend im dicksten Gang, den ich habe. Ich hätte wohl noch ein bis zwei Gänge mehr gebrauchen können. Das ist mir in dieser Art auch noch nie passiert. Kopf runter und immer weiter drücken, drücken, drücken.

Auf der zweiten Runde darf ich dann richtigerweise bei der Wendemarke umdrehen und nach 2:20 Stunden steht das Rad schon wieder in der 2. Wechselzone. Das bedeutet, dass ich nach Schwimmen und Radfahren auf Platz 34 in der Gesamtwertung liege. Jetzt gilt es also einen schnellen Halbmarathon zu laufen um noch weitere Plätze gut zu machen. Das gelingt mir im Grunde ganz gut, ein richtig starkes Gefühl will trotzdem nicht aufkommen. Ich versuche jeden einzelnen Kilometer abzuarbeiten, versuche mich darauf zu konzentrieren sauber zu Laufen und Druck zu machen. Aber so sehr ich mich auch anstrenge und bemühe schaffe ich es nicht die Kilometerzeiten deutlich unter 4:30 Minuten zu drücken. Nach einem Halbmarathon in 1:37 Stunden und insgesamt 4:34 Stunden für die Mitteldistanz bin ich dann im Ziel. Bedeutet in Summe Platz 9 in der Altersklasse und Platz 37 von insgesamt knapp 700 Startern.

Ergebnis

TOP10 Platzierung beim Köln Triathlon

Achja, eine Kleinigkeit noch: Selten habe ich so eine unwürdige und lieblose Zielverpflegung gesehen wie in Köln. Es ist doch eigentlich weder schwer noch teuer halbwegs vernünftiges Essen für die Athleten bereit zu stellen. Da denke ich gerne an Roth oder an Ingolstadt zurück. Auch die Streckenführung beim Laufen ist zum Teil eine Zumutung und einige Male wäre ich beinahe mit anderen Sportlern zusammen gestoßen oder gegen einen Pfosten gelaufen. Insgesamt aber eine gute Veranstaltung abseits der großen Veranstalter Ironman und Challenge Family.

Glückwunsch an dieser Stelle an Sebo, der eine tolle Langdistanzpremiere feiern konnte und natürlich an Valentin, der ein phantastisches erstes Rennen auf der Mitteldistanz hingelegt hat. Dankeschön an Rouven für die Unterkunft und den guten Restaurant Tipp. Vielen Dank dafür! Für mich gilt es jetzt, die letzten drei Wochen vor Mallorca konzentriert und fokussiert zu bleiben. Wenn nichts mehr passiert, stehe ich so fit wie nie zuvor an der Startlinie eines Ironman und darauf freue ich mich sehr.

Bis bald,
Euer Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.