Radstrecke Ironman Hamburg

Hallo Leute,

wer mir auf Instagram, Strava oder Facebook folgt, der weiß bereits. Es geht langsam aufwärts im Hinblick auf meinen ursprünglich geplanten Saisonhöhepunkt, den Ironman in Hamburg. Dass ich dieses Ziel zwischenzeitlich schon abgeschrieben hatte, liegt an meiner langwierigen Fußverletzung nach dem Ironman 70.3 Turkey. Mittlerweile mache ich mir dann doch wieder Hoffnung, dass ich am 13. August an der Startlinie stehen werde. Grund genug, sich am Sonntag bei der geführten Streckenbesichtigung die 90 Kilometer lange Radrunde im Süden Hamburgs anzuschauen. Bei traumhaften Bedingungen steige ich also um 8 Uhr zuhause auf mein Rennrad um mich pünktlich zum Treffpunkt an den Deichtorhallen einzufinden.

Treffpunkt Deichtorhallen – rund 500 Sportler treffen sich zur gemeinsamen Ausfahrt

Menschen über Menschen über Menschen
Dass der Andrang in der triathlonverrückten Stadt Hamburg groß sein wird war zu erwarten. Dass bei gutem Wetter noch deutlich mehr Leute kommen, als die über Facebook angemeldeten 150 Personen war auch zu erwarten. Dass sich am Ende mehr als 500 Sportler sind, überraschte dann aber nicht nur mich, sondern offensichtlich auch den Veranstalter. Die Idee ist es, erst gemeinsam in einer großen Gruppe die Köhlbrandbrücke zu überqueren und anschließend kleinere Einzelgruppen auf die Runde zu schicken. Dank der Triabolos Hamburg e.V. waren einige Radguides vertreten, die diese Gruppen führen sollten. Aber erst einmal geht es in einem großen Feld durch Hafencity und Hafen Richtung Köhlbrandbrücke. Leider klappt das nicht ganz reibungslos, denn ganz am Ende des Feldes, an dem wir uns aus Sicherheitsgründen aufhalten, müssen wir eher aufpassen, dass wir bei der Fahrt nicht umfallen, so langsam geht es voran. Viel zu langsam, sodass wir ernsthaft überlegen ob das überhaupt Sinn macht dabei zu bleiben, oder wir nicht lieber eine eigene Runde fahren wollen. Einmal angekommen, ist die Fahrt über die Brücke dann aber schon ein Highlight und ich freue mich schon jetzt darauf, hier im Rennen zweimal hoch und vor allen Dingen wieder runter zu fahren.

Gruppenfahren
Kurz nach dem Überfahren der Brücken halten wir dann wieder an und Ironman teilt den großen Haufen in mehrere Gruppen ein. Rund 30 Leute starten in einem Abstand von 1 Minute auf die Runde, die schnellsten Athleten vorneweg. Leider bestätigt sich dann meine Sorge, die auch der Grund dafür ist, an solchen Veranstaltungen mit einer gewissen Skepsis teilzunehmen. Viele der Teilnehmer sind mit Triathlonrädern da, viele Teilnehmer kennen die Regeln für das Fahren in einer Gruppe nicht und/oder sind so unsicher, dass es mehrmals zu kritischen Situationen kommt. Ich kann einfach nur allen Leute raten, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen: Beschäftigt Euch im Vorfeld mit den Regeln zum Gruppenfahren und haltet euch daran. Kein Aerolenker, alle Aktionen und Hindernisse anzeigen und zwar mit den richtigen Handzeichen (!) und keine hektischen Manöver. Was da zum Teil in der Gruppe passiert ist abenteuerlich und total gefährlich. Mathias und ich halten uns deswegen auch wieder deutlich aus dem Thema raus und fahren am Ende der Gruppe mit etwas Abstand zum Rest. Safety first.

Ein weiteres Thema beim Fahren einer Gruppe ist das Zusammenspiel mit den anderen Verkehrsteilnehmern. Ich hatte am Montag nach den tödlichen Radunfällen von Nicky Hayden und Julia Viellehner einen Post bei Facebook abgesetzt, der es auch noch einmal auf den Punkt bringen soll. Es funktioniert nur mit Respekt und Toleranz untereinander um (lebens-)gefährliche Situationen zwischen Auto und Rad zu vermeiden. Ich kann und will es nicht verstehen, warum sich Autofahrer manchmal so unfassbar leichtsinnig verhalten und die Gesundheit und das Leben von Radfahrern fahrlässig oder vorsätzlich gefährden. Für ein paar Sekunden oder Minuten, die man vermeintlich früher am Ziel (Kaffee und Kuchen bei Oma?) ist, wird wirklich alles riskiert. Wir erleben auf der Runde zum Teil Situationen die kaum in Worte zu fassen sind, wenn Autofahrer zum Beispiel eine Gruppe von 30 Radfahrern an völlig unübersichtlichen Stellen überholen wollen und dann bei Gegenverkehr einfach in die Gruppe zu ziehen. Hupen, Scheibenwischwasser und wüste Beschimpfungen gehören als Radsportler ja mittlerweile zur Tagesordnung. Mir graut jetzt schon davor im Sommer wieder im Deich zu fahren. Man kann da nur an den Verstand von allen Beteiligten (auch den der Radfahrer!) appellieren. Passt auf Euch und auf die anderen Verkehrsteilnehmer auf.

Die Köhlbrandbrücke – im Rennen geht es hier zweimal drüber

Die Strecke
So, jetzt aber endlich ein paar Worte zur Strecke. 182 Kilometer beträgt die Distanz, welche die Teilnehmer des Ironman Hamburg am 13. August absolvieren müssen, aufgeteilt in zwei Runden à 90 Kilometer. Treffpunkt für die Ausfahrt sind die Deichtorhallen, im August wird es direkt am Ballindamm losgehen. Wir sparen uns also ungefähr die ersten 2 Kilometer bei der heutigen Ausfahrt. Durch die Hafencity geht es Richtung Hamburger Hafen um dann bereits bei Kilometer 10 die sonst für Radfahrer gesperrte Köhlbrandbrücke zu überfahren. Wer bereits bei den Cyclassics teilgenommen hat oder beim Köhlbrandbrückenlauf am Start war, kennt das Gefühl schon. Ich fand es beeindruckend, habe den sehr gut und gleichmäßig zu fahrenden Anstieg und die Aussicht auf Hamburg genossen. Mal sehen ob das im August auch klappt. Die Abfahrt auf der anderen Seite lässt sich ebenfalls sehr gut fahren und das wellige Terrain im Anschluss kommt mir als relativ schwerer Athlet entgegen. Der kleine Anstieg in Langenrehm ungefähr bei km 30 ist im Vergleich zu anderen Rennen auch eher zu vernachlässigen und macht mir keine großen Sorgen. Über Buchholz und Seevetal geht es dann anschließend Richtung Hamburg, danach durch Harburg und Wilhelmsburg wieder zurück in die Stadt. Die auf der Homepage angegebenen 500 Höhenmeter pro Runde kann ich nicht bestätigen. Ich habe mit An- und Abfahrt nur 450 Höhenmeter. In Summe sollten also weniger als 1000 Meter Anstieg zu bewältigen sein.

Mein Fazit
In Summe muss ich sagen, dass ich die Radstrecke wirklich wunderschön finde, was eventuell auch an den traumhaften Bedingungen an diesem Tag liegt. Herrlich grüne Landschaft mit schattigen Passagen durch Wälder, guter Asphalt und ein Profil vor dem man wirklich keine Sorge haben muss. Sicherlich werden auf der zweiten Runde auch kleinere Wellen wehtun und der Wind kann eine Rolle spielen, aber das gehört dazu. Ich bin mir trotzdem sicher, dass wir in Hamburg mit schnellen Radzeiten rechnen können. Meine große Hoffnung und Bitte an Ironman: Stellt genug Wettkampfrichter, die beim verbotenen Windschattenfahren konsequent durchgreifen und Zeitstrafen verteilen. Sonst erleben wir nach dem Schwimmen keinen Ironman, sondern die zweite Ausgabe der Cyclassics. Das wäre sehr schade, der Kurs ist aber definitiv anfällig für solche Szenen, da die Strecke ganz einfach nicht selektiv genug ist. Ein Grund mehr, noch einmal intensiv am Schwimmen zu arbeiten um vor der großen Masse aus der Alster zu steigen und mit dem Drafting möglichst wenig Berührung zu haben.

Ich werde in den nächsten 3 Monaten bestimmt noch das ein oder andere Mal auf der Strecke unterwegs sein. Ich denke, dass es für das Rennen nicht verkehrt ist, wenn man sich auf dem Kurs zuhause fühlt. Schließlich soll es ja ein besonderer Ironman für mich werden: der Ironman dahoim!

In diesem Sinne noch einmal: Passt bitte auf Euch auf und genießt das schöne Wetter. Es ist Sommer!
Euer Matthias

2 Kommentare zu “Radstrecke Ironman Hamburg

  • 24. Mai 2017 um 15:20
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    Hi Matthias,
    gebe Dir in weiten Teilen Deiner Beschreibung vollkommen Recht. Der Anfang war organisatorisch wohl nicht anders zu machen, bei dem großen Teilnehmerfeld. Danach lief’s in der von mir geführten Gruppe recht ordentlich, Zweierreihe, Ansagen, etc. Nur einer versuchte mal ne 3. Reihe aufzumachen, was ich dann aber unterbinden konnte.

    Was das Thema Verkehr angeht: Keine Ahnung wie man das generell in den Griff bekommen soll. Egal ob Deich, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen. Überall scheinen es die Autofahrer, aber auch die Motorradfahrer vor allem am Sonntag besonders eilig zu haben. Eigentlich bräuchte jede Gruppe ne Polizeieskorte, und sofortige drastische Strafmaßnahmen für die irren Verkehrsgefährder.

    Für den Wettkampf kann man nur hoffen, dass der Rolling Start das Feld auf der Radstrecke ein bisschen auseinander zieht. Vor allem wird ja vermutlich die Strecke auch nur einseitig gesperrt sein, so dass man immer mit Quer und Gegenverkehr rechnen muss.

    Lasst uns alle die Daumen drücken, dass das gut geht am 13.8.

    Antwort
  • 29. Juli 2017 um 14:55
    Permalink

    Hallo,
    gibt es denn eine Möglichkeit, die Radstrecke zu erkunden, OHNE die Köhlbrandtbrücke zu überfahren ?
    In „Ballinstadt“ (?) soll es eine Brücke geben die auch auf die andere Seite führt.
    Leider habe ich das erst jetzt erfahren und in 2 Wochen geht es los ;-) den Heimvorteil auf der Radstrecke werde ich daher wohl nicht wirklich nutzen können, aber ich freue mich irrsinnig auf den großen Tag und wünsche uns allen einen tollen und fairen Wettkampf !

    Antwort

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