Urlaubslager – Fliegen in der Businessklasse

Hallo Leute,

was macht man, wenn man noch etliche Urlaubstage aus dem Jahr 2015 aufbrauchen muss? Richtig! Urlaub. Wohlverdient möchte ich meinen und das stelle ich an dieser Stelle auch nicht zur Diskussion. Selbstredend wird der Urlaub auch sportlich genutzt und diesmal kommt das Mountainbike mit auf die Reise. Die Mutter von meiner Freundin hat sich mit ihrem portugiesischen Lebenspartner vor einiger Zeit ein Haus rund 100 km südöstlich von Porto gekauft und dort wollen wir die nächsten zwei Wochen verbringen.

Die Anreise von Hamburg beginnt, sagen wir mal, interessant. Wir fliegen mir Ryanair, denn eine direkte Verbindung und ein bezahlbarer Preis überzeugen uns. Bisher habe ich mich nie dazu hinreißen lassen mit der Billigairline zu fliegen. Wird schon nicht so schlimm sein, wie der Ruf, denke ich mir. Zu meinen Mitarbeitern sage ich immer: „Jedes Problem fängt an mit: Ich habe gedacht!“ So ist es auch diesmal.

Einchecken am Mobiltelefon? Kein Problem. Am Ende des Eincheckvorgangs dann aber der Hinweis, dass die Bordkarte unbedingt ausgedruckt werden und bei der Gepäckabgabe vorgezeigt werden muss. Mein Smartphone kann ich aber nicht an einen Drucker anschließen und zuhause gibt es eh keinen. Warum auch? Bei Air Berlin, Lufthansa oder sonstigen Airlines habe ich seit Jahren keine ausgedruckte Bordkarte mehr benötigt.

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Das Ziel der Reise: Sao Pedro do Sul

Bei der Gepäckabgabe kommt es dann wie es kommen musste. Mit einem verschmitzten Lächeln fragt die Dame hinter dem Schalter nach der Bordkarte. Konnte ich nicht drucken, aber das ist sicherlich kein Problem, lautet meine optimistische Antwort, immer noch der Meinung, dass die Airline nicht so schlecht sein kann, wie ihr Ruf! „Das kostet dann 15 Euro – pro Person, schmettert mir die Dame an den Kopf. 15 Euro? Fünfzehn Euro? Für ein Stück Papier? Für einen Vorgang, der keine Minute dauert? Ich überschlage kurz im Kopf (15 Euro mal 60 Minuten, das macht 900 Euro in der Stunde) und ich beschließe den Job zu wechseln. Ich werde Bordkartenausdrucker bei Ryanair. Glücklicherweise haben wir aber den Tarif „Business Plus“ gebucht, da ist der Ausdruck der Bordkarte inklusive. Das erzähle ich auch der Sachbearbeiterin auf der anderen Seite, woraufhin Sie mich nicht mehr ganz freundlich darauf hinweist, dass sie das nicht in ihrem System sehen können und ich ihr doch bitte ein Dokument vorzeigen soll, aus dem der gebuchte Service hervorgeht. Langsam, aber nur ganz langsam werde ich ungeduldig und ich ahne, dass Business Class bei Ryanair nicht dem landläufigen Standard anderer Airlines entspricht. Meinen Unmut bekommt die Dame am Schalter nun ab. So bin ich nunmal, ich kann meine Meinung über schlechten Service nur selten zurückhalten. Völlig fassunglos bin ich dann aber über Ihre Antwort: “ Wissen Sie Herr Fackler, wenn Sie bei Ryanair buchen, dann sollten Sie doch wissen, was Sie erwartet“. Jetzt weiß ich es. Auf jeden Fall keinen Service. Noch nicht einmal beim Einchecken und Gepäck abgeben. Die Sicherheitsschleuse passieren wir ohne besondere Vorkommnisse. Die gesparten 15 Euro verwende ich für einen ausführlichen Snack am Gate.

Es wundert Euch sicherlich nicht, dass die Reise genauso weitergeht. Mich hat es aber doch noch etwas gewundert. Priority Boarding gibt bei Business Plus gratis dazu, wenigstens muss ich nicht an der mittlerweile mehrere Meter langen Schlange anstehen. Die gleiche Dame, die auch vorhin schon mit fehlendem Servicegedanken geglänzt hat, hält nun meine Bordkarte in der Hand fragt Ihre Kollegin, wo sie denn hier erkennen könne, dass der Herr (also ich) schon einsteigen darf. Ich befürchte, dass ich gleich wieder beweisen muss, was ich alles gebucht habe und surfe in Gedanken schon auf der Homepage der Airline um die Optionen von Business Plus aufzurufen, ich werde aber nach einem Schulterzucken der Kollegin kommentarlos durchgewunken. Puh, Glück gehabt.

An Bord werden wir von einem Flugbegleiter ausführlich auf portugiesisch begrüsst. Nachdem er merkt, dass ich der Sprache nicht mächtig bin, gibt es ein kurzes „welcome on Board“. Das Willkommensspektakel kann ich dann aber hautnah von meinem Sitz in der zweiten Reihe verfolgen. Auch wenn ich kein einziges Wort verstehe, gehe ich davon aus, dass an dem Kerl ein großartiger Entertainer verloren gegangen ist. Er macht Späße, flirtet mit den Mädels aller Altersklassen und amüsiert sich köstlich über den Lautsprecher mit den Kollegen im hinteren Teil. Alle lachen, zumindest die Portugiesen, während die anderssprachigen Mitreisenden nur erahnen können, um was es geht. Einen vertrauensvollen Eindruck macht der Typ auf mich aber nicht.

Kurz nach dem Start geht dann die Verkaufsveranstaltung Ryanairflug los. Getränke auf einem dreistündigen Flug? Für Geld sehr gerne. Im Flugpreis inklusive? Denkste. Nichtmal in der gebuchten Kategorie Business Plus. Von einem Snack wollen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen. Den hatte ich ja aber auch schon vor dem Abflug. Ein extra für die Piloten zubereitetes Mahl riecht aber so dermaßen lecker aus der Bordküche, dass die ersten hungrigen Passagier wild im kurz vorher ausgeteilten Ryanair-Magazin blättern und fleißig bestellen. Ich versuche dagegen meine Augen zu schließen und ein wenig zu schlafen. Das geht bis ganz gut bis zur nächsten Runde der Verkaufsveranstaltung. Jetzt gibt es Duty Free Artikel, gefolgt von Rubbellosen und natürlich noch Süßigkeiten und salziges Zeug zum Nachtisch. Bevor ich wieder die Augen zumache werden nochmal Getränke angeboten. Natürlich wieder gegen Bares!

Kurz bevor ich meinen wohlverdienten Schlaf bekomme, überlege ich mir, wie es wohl im Falle eines Feuers ablaufen würde. Der Möchtegern-Entertainer bietet Marshmallows an. Zwei Euro das Stück. Zum gleichen Preis wie die Rubbellose. Oder gibt es die Marshmallows gratis und man muss sich einen Stecken kaufen, damit man die Dinger heiß machen kann? Zehn Euro? Ach was weiß ich. Nie wieder Ryanair schwöre ich mir. Das muss ich dann aber gleich wieder revidieren denn nach Hause fliege ich noch. Immerhin habe ich den Flug schon bezahlt. Dann versuche ich einfach gleich von vornherein zu schlafen, auch wenn die Sitze dazu nicht einladen. In dem Flieger ist nämlich so ziemlich das Günstigste vom Günstigen verbaut. Staunetze am Sitz des Vordermann? Nicht vorhanden. Rückenlehne nach hinten stellen um den eh schon unbequemen Schlaf erträglich zu gestalten? No way! Gibt es nicht. Genug gemeckert. Ich werde den Urlaub auf dem Mountainbike verbringen und hoffentlich ruhige und wichtige Grundlagenkilometer im Sattel sammeln. Rund um Sao Pedro do Sul wird das aufgrund der bergigen Landschaft zwar eine Herausforderung, aber die Ansage von Rainer (GL8-Sport) und Stephan ist nach der Leistungsdiagnostik in Burscheid klar. Um es in den Worten von Mathias Müller zu sagen: Der Grundlagenteppich muss geknüpft werden, damit wir später darauf fliegen lernen.

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Freude über Palmen, Orangen und Sonne bei der ersten Tour!

Die erste Ausfahrt heute läuft phantastisch. Der Puls ist immer unter Kontrolle und bei 18 Grad und herrlichem Sonnenschein genieße ich die ersten Stunden auf dem Rad. Orangen und Palmen säumen die Straße. Ich halte mich heute erst einmal noch in der Näher der großen Straßen auf, in den nächsten Tagen werde ich mich mutig auf die kleinen Nebenstraßen durch den Wald begeben und die Gegend erkunden. Mal abgesehen von den sportlichen Vorhaben möchte ich bei meinem ersten Aufenthalt in Portugal auch gerne die Städte Porto und Lissabon kennen lernen. Am 2. Januar findet zufällig ein Topspiel in der ersten portugiesischen Fußballliga statt. Sporting Lissabon gegen den FC Porto. Das werde ich mir wohl nicht entgehen lassen. Schließlich ist es Urlaub und nicht nur Trainingslager. Das kommt dann im Februar auf Lanzarote!

Schöne Grüße aus dem sonnigen Portugal bei übrigens leckerem Wein und hervorragendem Essen. Denn entgegen der Meinung eines besonderen Menschen gibt es hier nicht nur Chia-Samen und Algen sondern insbesondere leckeren Käse, Oliven, Wein, Portwein und noch einiges mehr!

In diesem Sinne, passt auf Euch auf und kommt gut ins neue Jahr.
Euer Matthias

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