#ZwiftTriSeries – mein Debüt

Hallo Leute,

nachdem die Triathlon Saison ja weitestgehend ausfällt, haben sich ein paar Jungs Gedanken gemacht, wie man den wettkampfgierigen Triathleten doch noch eine Freude machen kann. Raus gekommen ist dabei eine Rennserie auf ZWIFT, die zwar nicht viel mit Triathlon zu tun hat (es wird ja „nur“ virtuell Rad gefahren) aber trotzdem jede Menge Spaß und Wettkampffeeling bringen soll.

Virtuelle Welt – virtuelle Rennen

In mehreren Welten mit völlig unterschiedlichen Streckenprofilen geht es immer Sonntags zur Sache. Diesmal geht es, natürlich wieder virtuell, nach Richmond. Richmonds „The Fan Flats“ ist eine der flachsten Routen auf Zwift, mit nur 13m Höhenunterschied pro 5 km Runde. Für unser Rennen gegen rund 300 Triathleten aus ganz Deutschland sind nach einem ca. 4,5 Kilometer langen Zubringen 3 Runden vorgesehen. Insgesamt also 19,6 Kilometer, rund 30 Minuten reine Laktat-Freude.

Es ist klar, dass es ein extrem kurzes aber umso brutaleres Rennen wird und jeder kleine Fehler mit einer schlechteren Platzierung bestraft wird. Während ich bei den ersten 3 Rennen der Serie verhindert war, hatte ich meine Premiere am vergangenen Sonntag. Den ersten Fehler im Rennen mache ich schon weit vor dem Start. Bereits 30 Minuten vorher kann man sich an der Startlinie aufstellen. Je später man das tut, desto weiter hinten steht man dann auch. Entgegen aller Ratschläge bin ich erst ca. 3 Minuten nach Öffnung des Rennens an der Startlinie. Gefühlt ganz hinten steht mein Avatar und schon jetzt ist klar. Der Start wird für mich noch wichtiger als ich es gehofft hatte. Im späteren Rennverlauf nochmal nach vorne zu fahren ist auf diesem Kurs quasi unmöglich.

Zu Beginn des Rennens werden extrem hohe Wattwerte getreten um möglichst gut wegzukommen. Und hier passiert mir Fehler Nummer zwei: Ein paar Sekunden, bevor der Countdown zum Rennen abgelaufen ist, treten alle in die Pedale um von Sekunde eins mit hohen Werten von der Ziellinie loszuschießen. Ich weiß das, trete auch ca. 3 Sekunden vorher voll rein. Bis die hohe Leistung aber wirklich ankommt, dauert es jedoch ein paar Sekunden und so komme ich auf der hinteren Position auch noch ziemlich schlecht los. Die ersten Minuten muss ich also schon alles riskieren, um nicht von vornherein abgehängt zu sein. Mit im Schnitt von über 400 Watt für die ersten 4 Minuten schaffe ich es aber doch noch in die erste Gruppe. Eigentlich ein Himmelfahrtskommando, zu verlieren habe ich aber nichts. Also versuche ich einen Rhythmus zu finden und die Gruppe zu halten.

Nach der Einführungsrunde fahren wir auf einem Rundkurs, der dank Wendepunkten immer wieder einen Blick nach vorne zulässt. Soweit ich das erkennen kann, bin ich auch nach der ersten Runde in der Spitzengruppe, die allerdings auch sehr groß ist. Während auf dem Fernseher der Live-Stream von TriZack Rostock und auf dem MacBook das Rennen aus meiner Sicht läuft, quäle ich mich und bin quais die ganze Zeit am Anschlag. Immer wieder werde ich in der Gruppe nach hinten durchgereicht, kann aber auch immer wieder die Lücke zufahren. Teils aber nur mit Ach und Krach und unter Zuhilfenahme sogenannter Power-Ups (Power-ups sind so etwas wie temporäre Fähigkeiten oder veränderte Eigenschaften, die einem kurzzeitig einen bestimmten Vorteil verschaffen und die man sich im Rennen mit dem richtigen Timing gut zunutze machen kann).

Livestream auf dem TV, eigenes Rennen am Laptop

Ich habe Glück und bekomme zweimal praktische Power-Ups. Einmal hilft mir der Aero-Helm (der Aero-Helm sorgt für einen geringen Windwiderstand und erhöht kurzzeitig die Geschwindigkeit) und einmal der Laster (Die Wirkungszeit des Lasters ist die längste von allen fünf Power-ups und dauert 30 Sekunden. Währenddessen wird der aktuelle Drafting-Effekt verdoppelt, was dazu führt, dass man in dieser Zeit deutlich weniger Leistung treten muss). Leider kann ich mir die Hilfsmittel nicht für einen Zielsprint übriglassen, auf den es bei diesem Kurs auf jeden Fall hinauslaufen wird. Ich muss aber unbedingt in dieser Gruppe bleiben und hoffen, doch noch irgendwo ein paar Körner für einen Sprint zu finden.

Bis zum Ende des Rennens kann ich mich mit drei Teamkollegen der Triabolos Hamburg in der ersten großen Gruppe festbeißen und gemeinsam mit vielen Jungs aus der 1. und 2. Bundesliga mithalten.  Leider habe ich am Ende aber nichts mehr, wirklich gar nichts mehr im Tank. An einen Zielsprint oder irgendetwas, das diesem Begriff ähnlich wäre, ist nicht zu denken. Kurz bekomme ich nochmal knapp 550 Watt aufs Pedal, viel zu kurz. Und so komme ich am Ende der ersten Gruppe ins Ziel, nur wenige Sekunden von einer wirklichen Top Platzierung entfernt. Zum ersten Platz fehlen gerade mal 12 Sekunden.

Dass wir mit einem 9. Platz der Tageswertung erneut ein TOP10 Ergebnis landen können ist überragend. Auch muss ich sagen, dass es ungemein motiviert, immer wieder die eigenen Trikots im Feld zu sehen (jedes Team hat sich ein eigenes Trikot ausgesucht). Am Ende falle ich dann wirklich buchstäblich vom Rad und brauch einige Minuten um wieder klar zu kommen.

Hier noch ein paar Werte für die Zahleninteressierten:

Strecke: 19,6km, 80 Höhenmeter
Zeit: 23:52 Minuten
Herzfrequenz: 187 bpm
Leistung: 330 Watt
Platzierung 71/240

Im Anschluss habe ich mir dann mein Specialized Tarmac geschnappt und war noch rund 90 Kilometer am Deich. Beine locker radeln und das schöne Wetter genießen. Denn am liebsten fahre ich halt immer noch draußen und freue mich auch schon wieder sehr auf einen echten Triathlon. Mit Schwimmen und Laufen. In der echten Welt und nicht vor einem Bildschirm.

Die kommenden Rennen können übrigens auf der Facebook-Seite von TriZack Rostock in einem kommentierten Livestream mitverfolgt werden. Weitere Infos wie Tabellen und Eindrücke des großen Leidens der Rennserie gibt es auf meinem Instagram Kanal und/oder dem Hashtag #ZwiftTriSeries

Passt auf Euch auf und liebe Grüße aus der schönsten Stadt der Welt
Euer Matthias

 

Am Ende völlig am Ende

Danach noch „richtig“ Rad fahren

Rennen im Wohnzimmer

Sehr zufrieden mit dem Ergebnis

Gesamtwertung nach 4 Rennen

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